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Das Unvorstellbare - geprobt PDF Drucken E-Mail
Montag, den 31. Mai 2010 um 07:19 Uhr

Katastrophenschutz Feuerwehren des Landkreises Coburg arbeiteten mit Bahn und Tunnelbauern zusammen, um ein Konzept für einen Notfall im Tunnel Reitersberg zu erarbeiten. Bei einer Großübung wurden die Pläne und Vorbereitungen für ein katastrophales Szenario auf den Prüfstand gestellt.

Feuerwehrleute dringen in den Tunnel Reitersberg vor, um im Rahmen einer Übung nach Verletzten zu suchen. Fotos: Christian Geudner
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"Brand im Tunnel Reitersberg!", dieser Hilferuf kam am Samstag in der Feuerwehrleitstelle des Landkreises an, kurz nach zehn. Aus der Tunnelröhre bei Oberwohlsbach qualmt dichter Rauch. Dort, wo in ein paar Jahren der ICE durchrauschen soll, hat bei den Bauarbeiten ein Radlader Feuer gefangen, der so stark brennt, dass die Arbeiter im Inneren der Röhre eingeschlossen sind: Dieses Szenario fanden die Feuerwehren zu Beginn ihrer Großübung vor.

Diese wurde von der Kreisbrandinspektion zusammen mit der Deutschen Bahn und der Baufirma durchgeführt. Dabei sollte das Sicherheits- und Einsatzkonzept getestet werden, dass in den vergangenen Monaten für alle Tunnel auf bayerischer Seite der ICE-Strecke neu ausgearbeitet wurde.


Die ersten Kräfte kommen aus dem Ort


Die Feuerwehr aus Oberwohlsbach war die erste, die mit einem Löschzug zur Stelle war - und das wegen der angekündigten Übung in Rekordzeit. "Der Kommandant, der als erster zur Stelle ist, spricht jetzt zunächst mit dem Baustellenabschnittsleiter, der den Alarm gegeben hat und stellt fest, dass er mit seiner Ausrüstung noch nichts ausrichten kann und auf Verstärkung warten muss", kommentiert Kreisbrandrat Manfred Lorenz das Eintreffen des ersten Fahrzeuges. Gemeint ist damit, dass sowohl auf entsprechendes Atemschutzgerät sowie auf Kreisbrandmeister Stefan Zapf gewartet werden muss, bevor die Rettungsaktion beginnen kann - so sieht es das Konzept vor. Das beinhaltet sowohl die Formierung einer "Tunnelfeuerwehr" aus verschiedenen teilnehmenden Feuerwehren des Landkreises sowie die Anschaffung neuer Atemschutzgeräte für solche Einsätze.

Stationiert ist diese Ausrüstung bei der Feuerwehr in Rödental, die auch nur wenige Minuten nach den Kollegen aus Lautertal an der Unglücksstelle ankommt.

Dann muss alles schnell gehen: Stefan Zapf stellt zunächst eine Einsatztruppe mit Atemschutzausrüstung zusammen. Mit genau geprobten Handgriffen und in Rekordtempo statten sich die Rettungskräfte gegenseitig mit Atemschutzmaske, Sauerstofftank, Schutzanzug und Funkgerät aus. Mit drei Trageliegen für Verletzte im Gepäck macht sich die Gruppe auf ins Tunnelinnere. Insgesamt acht Bergleute befinden sich noch in der Röhre, gibt der Baustellenchef bekannt. Sechs davon konnten sich in einen Schutzcontainer flüchten, der im Tunnel immer unweit der Bohrstelle aufgestellt ist und die Arbeiter bis zu sechs Stunden mit Atemluft versorgen kann - auch das gehört zum Sicherheitskonzept. Zwei Kollegen konnten sich nicht mehr retten, sind damit dem Rauch und den giftigen Dämpfen ausgesetzt und müssen zuerst geborgen werden.

Größtes Problem dabei ist die starke Rauchentwicklung, nur mit Hilfe spezieller Wärmebildkameras können sich die Rettungskräfte deshalb ins Tunnelinnere vortasten.


Markierungen an den Wä


"Zur Orientierung sind an der Wand in bestimmten Abständen Karten angebracht, auf denen die Meterzahl und eventuell auch die zur Verfügung stehenden Hilfsmittel angezeigt sind", erklärt Niklas Hirche, Projektleiter der ARGE Rödental-Reitersbergtunnel das Sicherheitskonzept. Dort sei beispielsweise auch verzeichnet, wo sich der Rettungscontainer befindet oder die Auffüllstation für die Atemschutzgeräte. "Die ist eine Neuerung bei solchen Tunnelbaustellen und extra aufgrund unserer Konzepts installiert worden", erklärt Manfred Lorenz. Normalerweise sind für derartige Rettungsmaßnahmen Einsatzzeiten von bis zu 3 Stunden gefordert, in denen die Rettungskräfte mit Atemluft versorgt werden müssen. Die dafür nötigen Geräte allerdings sind in der Anschaffung teuer und können zudem nur von speziell ausgebildeten Einsatzkräften genutzt werden.

Der Einsatztrupp erreicht zuerst den brennenden Radlader, in dem ein bewusstloser Arbeiter eingeschlossen ist. Die Bergung erfolgt über die Trage, die von drei Einsatzkräften ins Freie transportiert wird - zur Unterstützung folgen weitere Feuerwehrkräfte mit Atemschutzausrüstung.


Endlich Hilfe für die Eingeschlossenen


Schließlich gelangen die Einsatzkräfte zum Container. Die Bergleute darin sind, vom Roten Kreuz vorher durch Schminke "verwundet" und instruiert worden. Möglich wird deren Rettung durch so genannte "Sauerstoff-Selbstretter", kleine mobile Atemschutz-Geräte, die Luft für einen kurzen Rettungsweg bereitstellen. Die eigentliche Bergung geht schnell, die knapp 600 Meter bis zur Außenwelt legen Feuerwehr und Bergleute nun bei fast klarer Sicht zurück, die Einsatzleitung hat in der Zwischenzeit die Lüftungsanlage des Tunnels anstellen lassen.

Draußen wartet bereits der Sanitätsdienst, um die Verletzten zu versorgen. Neben den Feuerwehrleuten im Tunnel, die die fast eineinhalb Stunden unter größten Strapazen und mit fast 30 Kilogramm Ausrüstung meisterten, ist vor allem Kreisbrandmeister Stefan Zapf mit der Aktion zufrieden: "Unser Konzept ist aufgegangen, wir haben die Bergleute in einer guten Zeit retten können, ohne dabei unsere Einsatzkräfte in Gefahr zu bringen."

Auch Projektleiter Niklas Hirche und Frank Kniestedt, bei der Bahn zuständig für das Verkehrsprojekt, freuen sich über die gut verlaufene Übung: "Wir sehen, dass die freiwilligen Feuerwehren sich sehr gut auf die Gegebenheiten eingestellt haben." ji